dpa-Meldung vom 16. 3. 2026:
„Milch und Käse treiben CO2-Bilanz der Ernährung nach oben“
Diese Meldung beruht auf einer Studie der Agora Agrar. Hierzu schrieb ich am 19. 3. an diese Organisation folgende email (auf die ich keine Antwort erhielt):
https://www.agora-agrar.de/presse/pressemitteilungen/das-klimaschutzpotenzial-der-ernaehrung-wo-die-politik-wirksam-ansetzen-kann-um-emissionen-zu-mindern
Sehr geehrte Frau Dr. Chemnitz,
sehr geehrte Damen und Herren,
Ihre Studie (und die darauf beruhende Pressemitteilung) ist (vermutlich) korrekt, wenn man die Landwirtschaft nicht differenziert betrachtet. Sie trifft insofern (vermutlich) zu, als der weitaus größte Teil der Landwirtschaft und der Milchwirtschaft konventionell (also quasi-industriell mit breitem Einsatz von chemischen Düngemitteln sowie schweren Maschinen, zugekauftem Kraftfutter usw.) besteht.
– Das ist aber nicht alles, was konventionelle Landwirtschaft verursacht: Durch den massiven Pestizid-Einsatz ist sie deutschland- und weltweit die wichtigste Ursache für den Artenschwund, die Überdüngung sorgt für verschmutzte Grundwässer, Flüsse und Küstengewässer und für großflächige Todeszonen z. B. in der Ostsee.
– Außerdem verursacht diese Landwirtschaftsweise massive Bodenerosion.
Ihre Studie und Pressemitteilung ist insoweit unvollständig, als sie die Klimabilanz echt organisch arbeitender Biolandwirtschaftsbetriebe nicht erwähnt. Als Beispiel habe ich einen mittelgroßen Hof (450 ha Pachtland) untersucht, auf dem praktisch alles an Grundnahrungsmitteln (bis auf Obst und Eier) angebaut wird.
– Dessen Klimabilanz ist deutlich positiv, d.h. es werden jährlich zwischen etwa 1.000 und über 3.000 Tonnen CO2 in den Böden eingespeichert (je nach dem, welche Literaturwerte man anwendet).
– Zudem ist die Biodiversitätsbilanz sehr positiv (es werden keinerlei Pestizide und keinerlei chemische Dünger verwendet).
– Des weiteren findet aufgrund der 6-jährigen Fruchtfolge praktisch keine Bodenerosion statt.
In der Anlage finden Sie eine Zusammenfassung. Die komplette Studie (original auf englisch, eine deutsche Übersetzung ist ebenfalls verfügbar) finden Sie hier:
– https://www.bernhard-wessling.com/cdr_bioagriculture_sustainability
In Ihren 4 zentralen Hebeln fehlt die Biolandwirtschaft, v.a. die echt organisch betriebene Biolandwirtschaft, vollständig. Außerdem beziehen Sie sich nur auf das Klima, als ob die konventionelle Landwirtschaft (und somit die überwiegende Ernährungsweise in Deutschland) nur Klimaauswirkungen hätte,
– und als ob es nur einen Klimawandel gebe und die Pestizide sowie die Überdüngung nicht auch noch die wesentliche Ursache für den Artenschwund seien.
Es wäre angemessen, wenn dies auch in vergleichbar medienwirksamer Form verbreitet würde. Gern stehe ich Ihnen für Nachfragen und (kritische) Diskussion zur Verfügung.
Freundliche Grüße. Dr. B. Weßling
